Kirchensteuerarten

Die Glaubensgemeinschaft aktiv fördern

Eine Hand mit Euromünzen

Wieviel der Einzelne geben kann, wird in unterschiedlichen Kirchensteuerarten ermittelt

Bild: (c) iStockPhoto / muharrem öner

Kirchensteuer ist der Oberbegriff für unterschiedliche Kirchensteuerarten. Gleich ist allen, dass sie sich an der Leistungsfähigkeit des steuerpflichtigen Kirchenmitgliedes orientieren.

Kirchensteuern sollen, je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit des Einzelnen, die Glaubensgemeinschaft aktiv fördern. Deswegen wird die Höhe der Kirchensteuer auf der Grundlage der Einkommen- beziehungsweise der Lohnsteuer der einzelnen Mitglieder berechnet.

Kirchenlohn- und Kircheneinkommensteuer

Die Höhe der Kirchensteuer wird auf Grundlage der Einkommen- beziehungsweise der Lohnsteuer der einzelnen Mitglieder berechnet. Sie beträgt in Bayern acht Prozent der zu zahlenden Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer. Entsprechend fließen die individuellen Lebensumstände – die Höhe der Einkünfte, der Familienstand, die Steuerklasse sowie Werbungskosten und Sonderausgaben – in die zu zahlende Kirchensteuer mit ein. Die Kirchenlohnsteuer wird wie die Lohnsteuer vom Arbeitgeber einbehalten und über das Finanzamt an die Landeskirche weitergeleitet.

Die Kircheneinkommensteuer orientiert sich an der Einkommensteuer, die das Finanzamt im Steuerbescheid für Sie errechnet hat. Für die Kirchensteuer werden zum Beispiel Kinderfreibeträge zusätzlich berücksichtigt.

Wer keine Lohn- oder Einkommensteuer abführen muss – zum Beispiel Mitglieder, die nicht erwerbstätig sind, Arbeitslose und Rentner ohne steuerpflichtiges Einkommen –, zahlt in der Regel auch keine Kirchenlohn- beziehungsweise Kircheneinkommensteuer. Die Festsetzung der Kircheneinkommensteuer und die Anrechnung der Kirchenlohnsteuer erfolgen durch das für Sie zuständige Kirchensteueramt.

Berechnungsbeispiele Lohnsteuer als PDF

Kirchenkapitalertragsteuer

Seit 2009 ist die Besteuerung von Kapitalerträgen neu geordnet. Dabei ist die Kirchenkapitalertragsteuer ("Abgeltungsteuer") keine zusätzliche Steuer, sondern beschreibt nur ein neues Verfahren zur Besteuerung von Kapitalerträgen. Kapitalerträge sind Einkünfte, die der Einkommensteuer unterliegen. Neu ist nur: Die Besteuerung erfolgt in den meisten Fällen direkt an der Quelle, in der Regel durch Banken oder Versicherungen.

Die staatliche Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent der Kapitalerträge. Bei Kirchenmitgliedern ermäßigt sich dieser Satz wegen der Berücksichtigung des Sonderausgabenabzugs auf 24,51 Prozent. Die Kirchenkapitalertragsteuer beträgt 8 Prozent der staatlichen Kapitalertragsteuer.

Weitere Informationen zur Kirchenkapitalerstragsteuer

Kirchengrundsteuer

Die Kirchengrundsteuer wird nur auf land- und forstwirtschaftliches Grundvermögen erhoben, wenn sie die Kircheneinkommensteuer übersteigt. Sie beträgt zehn Prozent des Grundsteuerbemessungsbetrags A.

Das besondere Kirchgeld

Das besondere Kirchgeld wird von allen Evangelisch-Lutherischen Landeskirchen in Deutschland erhoben, von den meisten schon seit vielen Jahren. Der Hintergrund für die Erhebung des besonderen Kirchgeldes ist die Auffassung, dass sich jedes Kirchenmitglied nach seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten an der Finanzierung der kirchlichen Arbeit beteiligt. Das besondere Kirchgeld berücksichtigt gegebenenfalls die durch die Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft gesteigerte wirtschaftliche Leistungskraft des kirchenangehörigen Partners, der am gemeinsamen Einkommen der Partner teilhat. Das besondere Kirchgeld ist vom Bundesverfassungsgericht wiederholt als sachgerecht und verfassungsgemäß bestätigt worden.

Erläuterungen zu der Einführung und den rechtlichen Grundlagen
des besonderen Kirchgeldes in der ELKB als PDF

Information besonderes Kirchgeld und Berechnung als PDF

Ortskirchgeld

Häufig wird über das Ortskirchgeld oder allgemeine Kirchgeld gesagt, es sei freiwillig und habe den Charakter einer Spende. Das ist falsch: Das Ortskirchgeld ist eine Steuer. Das Kirchgeld ist eine Form der ergänzenden Finanzierung kirchlicher Arbeit. Es wird auch von den Gemeindegliedern erbeten, die keine sonstige Kirchensteuer zahlen, und trägt so zur horizontalen Beitragsgerechtigkeit bei. Kirchgeldpflichtig ist jedes volljährige Kirchenmitglied, das über Mindesteinkünfte verfügt. Das allgemeine Kirchgeld wird jährlich erhoben und beträgt mindestens 5 Euro und höchstens 120 Euro. Es wird gestaffelt nach den Einkünften und Bezügen, die zur Bestreitung des Unterhalts bestimmt sind, also Einkünfte und Bezüge, die über dem derzeit geltenden Grundfreibetrag von 8.652 Euro liegen. Grundlage für die Selbsteinstufung der Mitglieder ist eine Tabelle.

Weitere Informationen zum Ortskirchgeld


11.02.2016 / Andrea Seidel
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